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Dschungelkind, Ranger & Ingenieur

Thumb cumulusdiaries interview lenafelixberger descape 1228 LF
06. Mai, 11:20 Uhr
Heute haben wir den Spieß mal umgedreht und anstelle des Descapers unsere Gastgeber zu ihren Erfahrungen mit Descape befragt.

Den ganzen Tag im Urwald unterwegs: Manuel Mittelhammer kümmert sich um Tiere und Pflanzen in Costa Rica, er lebt das „Pura Vida“ in einem der größten Öko-Paradiese der Welt. Seit sieben Jahren arbeitet er im Öko-Camp Aiko und gibt sein Wissen gerne weiter. Unsere letzte Frage wird auch von Camp-Gründer Markus Hoffmann beantwortet, der mit großer Freude alle Fragen unserer Descaper vor Abflug beantwortet.

Wie bist Du dazu gekommen, Ranger zu werden?
Ich war schon immer ein Naturbursche. Ursprünglich komme ich aus einem Tausend-Seelen-Dorf in Oberbayern, in der Nähe von Schrobenhausen (Anmerkung der Red: zwischen Augsburg und Ingolstadt). Als ich da aufwuchs, gab's weder Internet noch Handy, und ich war viel draußen unterwegs, auf Streifzügen durch den Wald. Später habe ich in Weihenstephan Forstingenieurswesen studiert, mit Schwerpunkt Tropen. Während des Studiums habe ich auf dem Land gewohnt, außerhalb der Stadt, wo ich meine Ruhe und einen Garten hatte. Natur fand ich immer gut, ich war immer klettern, bergsteigen, Gleitschirm fliegen, Ski fahren oder mit dem Mountainbike unterwegs. Und ich wollte immer ins Ausland. Dann habe ich im Rahmen meines Studiums ein Pflichtpraktikum in Ecuador gemacht, ein halbes Jahr. Dann war eigentlich alles klar.

Wieso?
Wir waren da Flusswandern, und als wir dann auf dem Boot in den Urwald fuhren, bin ich von den ganzen Eindrücken fast erschlagen worden. Das war wunderschön. Es riecht nach klarer Luft, nach Blüten, Waldboden, Moos, Farn. Das ist pura vida – wörtlich übersetzt das pure Leben! Das ist auch das Lebensmotto der Ticos hier, wie sich die Costaricaner selbst nennen. Die benutzen pura vida für alles. Es kann wunderbar heißen, super, danke, alles klar oder servus. Dieses pure, reine Feeling habe ich, wenn ich in den Dschungel gehe. 

Manuel in seinem Element.

Was suchen die Touristen bei Euch?
Die wollen Natur erleben. Viele kommen, weil sie keinen Bock mehr auf ihr Büro haben und runterkommen wollen von ihrem stressigen Alltag. Das geht bei uns ziemlich gut. Es gibt keinen Strom, kein Internet, keinen Handy-Empfang. Das kann nicht jeder gleich aushalten. Die meisten brauchen ein paar Tage, um sich daran zu gewöhnen, manche sogar eine ganze Woche. Man muss sich halt drauf einlassen können und das selber wollen. Es ist jetzt aber nicht Wildnis pur: Wir haben einen Grundkomfort, es ist sicher und trocken. Es gibt auch Toiletten mit Wasserspülung, und wegen eines Biofiltersystems hat das auch keinen Einfluss auf den Wald. Im Grunde hinterlassen wir keine Spuren – außer unseren eigenen Fußspuren. 

Was machst Du so als Wildlife-Ranger?
Ich bin unterwegs und sehe im Wald nach dem Rechten – zum Beispiel, dass keine Wilderer kommen, die die Tiere schießen, Fische fangen oder Bäume umsägen und mitnehmen. Ich habe aber kein Gewehr dabei. Seit wir regelmäßig unterwegs sind, haben wir da auch keine Probleme, die respektieren das. Sonst überprüfe ich Wege und Brücken, dass da alles in Ordnung ist. Ich bessere außerdem Zäune aus und schaue, was an Tierleben los ist, dass man da einen Überblick hat.. Büroarbeit gehört auch dazu, ich kümmere mich um die Homepage und die Buchungen. Es ist wirklich ein Traumjob, aber ein anstrengender. Gerade körperlich, denn ich bin wirklich viel unterwegs, bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit, die Hügel rauf und wieder runter. Oft regnet es, dann muss man durch den Schlamm. Es ist halt nicht so, dass Du von Acht bis um Fünf im Büro sitzt und zwischendurch in die Kantine gehst, und dann ist der Job getan. 

Was gefällt Dir an Deiner Arbeit?
Du weißt ja: die Welt geht vor die Hunde. Wir hier tragen unseren Teil dazu bei, sie zu schützen. Auch, indem wir die Schönheit der Natur anderen Menschen zeigen. Und mir macht es Spaß, anderen was beizubringen. 

Das Camp bei Nacht und klarem Sternenhimmel.

Was bedeutet Natur für Dich?
Natur ist der Schlüssel allen Lebens. Wasser und Luft, das gibt uns die Natur. Das ist unbeschreiblich, wenn Du hier durch den Wald gehst, und Quellen siehst, aus denen frisches Wasser tropft. Ein befreundeter Lebensmittelchemiker hat mal Proben gezogen und gemeint, das sei die beste Wasserqualität, auf Heilwasser-Niveau. Wenn ich Tiere beobachten kann, erfüllt mich das mit Freude. Vor ein paar Tagen habe ich gesehen, wie ein Faultier geboren wurde, die kommen ja oben im Baum zur Welt und krallen sich sofort fest. Das macht mich glücklich. Wir haben hier auch Raubkatzen, mit unserer neuen Kamerafalle konnten wir neulich einen Puma filmen. Wir haben auch Pferde hier, die das Gras rund um das Camp niedrig halten. Naja, und die hatten neulich ein Fohlen, und das hat ein Jaguar oder ein Puma gerissen. Das war schon schlimm, weil wir dem auch schon einen Namen gegeben hatten. Aber für so eine Raubkatze ist das halt ein Festmahl. Und das gehört auch dazu. Der Mensch versucht ja immer, alles zu regulieren und zu kontrollieren. Und hier sieht man: Das geht nicht. Und das ist auch gut. Es ist schade um das Fohlen, aber auch gut, dass hier noch Raubkatzen leben. Und es macht mich stolz, dass wir diejenigen sind, die ihnen diesen Lebensraum bieten und erhalten. Aber das heißt, dass man auch Opfer bringen muss.

Was lernt man bei einem Descape bei Euch?
Viel über sich selbst und über die Natur. Wer kommt, ist mit mir unterwegs, übernimmt aber auch eigenverantwortliche Aufgaben wie zum Beispiel, die Wege zu erneuern.. Wir arbeiten zudem eng mit einer Tier-Auffang-Station zusammen, die kranke Tiere wieder aufpäppelt: Waschbären, Schlangen oder Kragenbären. Die lassen wir dann bei uns im Wald frei. Da wird auch Hilfe gebraucht. Auf jeden Fall lernen unsere Descaper viel über das Ökosystem Regenwald – und darüber, wie man unter einfachen Bedingungen lebt. Dass so ein Wasserfall auch Luxus sein kann. (lacht) Ich glaube, jeder hier lernt, bewusster zu leben – und nimmt das auch wieder nach Hause mit. Man hört ja, dass die Leute in ihren Büros immer früher einen Burn-Out bekommen. Hier kann man seine Akkus wieder aufladen. 

Manuel unterwegs auf einer Wanderung mit Besuchern des Camps.

Wie hast du als Gastgeber die Besuche der Descaper erlebt? 
Markus:
Die Vorbereitung unserer Descaper ist uns sehr wichtig, da es recht schwierig ist noch irgendetwas zu ändern wenn man erstmal bei uns im Regenwald angekommen ist. Zum einen sollten sie mental und physisch darauf eingestellt sein, dass unser Camp 100% off-grid ist: kein Strom, kein Telefon, kein Internet. Schlafen in Mosquito-Zelten auf überdachten Plattformen. Zusammenleben und -arbeiten im Team. Es macht einfach Spaß, die Gäste schon im Vorfeld bei der Spannung und Vorfreude begleiten zu können. Zum anderen sollte auch die Ausrüstung stimmen. Eigentlich ist nichts besonderes notwendig, aber wenn nachher die Taschenlampe nicht funktioniert oder das Messer kaputt geht, ist das sehr ärgerlich. Und ein leichter, eigener Schlafsack kann ein gewisses Gefühl von Geborgenheit vermitteln, das einfach schön ist in den lauten Regenwaldnächten. Bis die Reise dann wirklich losgeht, habe ich das Gefühl mit den meisten schon befreundet zu sein. Wir geben auch viele Tipps zur An- und Weiterreise über unser Descape hinaus. Wir sind ständig in Kontakt über E-Mail und Whatsapp zwischen Europa und Costa Rica. Am Ende macht es riesigen Spaß den Descapern ein Stück von der Erfahrung zu geben, die ich von Aiko bekommen habe, auch wenn ich nicht vor Ort dabei sein kann.

Manu:
Für mich persönlich ist es natürlich immer spannend unsere Descpaper, trotz der guten Vorbereitung die Markus ihnen gibt, dann direkt vor Ort in unserem Camp und im Dschungel zu erleben. Es treffen ja durchaus verschiedene Erwartungen, Einstellungen, Altersgruppen (75 bis 23 bis jetzt), Berufe, Nationalitäten und soziale Schichten aufeinander, und das in einem für die meisten ungewohntem Lebensraum. Die Herausforderungen für mich sind dann, genau diese vielschichtigen Unterschiede zu berücksichtigen und für jeden die passenden Aufgaben zu finden, zuzuweisen und dabei zu betreuen. Mir persönlich ist es sehr wichtig, mein Wissen an alle weiterzugeben, ungeachtet ihres individuellen Wissensstandes. Ich möchte ihnen die Schönheit, Vielfalt und Wichtigkeit dieses einmaligen Ökosystems vermitteln und zwar abwechslungsreich und hoffentlich dauerhaft. Bis jetzt klappt dies immer sehr gut und ich freu mich natürlich, wenn man beobachten kann, wie sich die Leute einleben, zurecht finden und der Teambildungsprozess auf Aiko funktioniert und unsere Gäste schöne, dauerhafte Erfahrungen aus dem tropischen Regenwald mit nach Hause nehmen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Thumb cumulusdiaries interview lenafelixberger descape 1228 LF
06. Mai, 11:20 Uhr
Gründerin und Geschäftsführerin von Descape. Will die Arbeitswelt verändern und dabei die Welt entdecken.

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